Ratten im Futtermittel PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Horst Schulte   
Thursday, 15. November 2007

Artikel vom 12.9.2004

Eigentlich ist das eine Geschichte, die mein Vater gern erzählt hat. Da ich aber dabei war, wie oft, wenn was los war, kann ich sie trotz der langen Zeit, die inzwischen vergangen ist, selbst wiedergeben, so dass wir alle etwas Spaß daran haben.

Mein Vater war zu dieser Zeit Gärtner bei einem Industriellen und bewirtschaftete mit einigen Mitarbeitern ein ziemlich großes Areal. Die Gesamtfläche des Privatgeländes, auf dem übrigens nicht gejagt werden durfte, betrug ca. 64 ha, also etwa 640.000 qm.

Unsere Familie lebte dort etwas weit vom Schuss, für uns Kinder aber war es eine wundervolle Zeit. Meine Schwester und ich erinnern uns oft und vor allem ziemlich laut an diese Zeit zurück. Es gab große Obstgärten, herrliche Wiesen, auf denen man im Winter sogar wunderbar rodeln konnte. Gerade der Sommer war paradiesisch. Es gab sozusagen immer etwas im reichhaltigen Angebot: Erdbeeren, Himbeeren, verschiedene Arten Pfirsiche, Pflaumen in x verschiedenen Sorten, Äpfel, Birnen und es gab 3 Aprikosenbäume, auf die mein Vater allerdings ein besonders Auge warf!

Er sah es nämlich überhaupt nicht gern, wenn meine Schwester, mein Freund, der übrigens der Sohn des Besitzers war und ich uns über das meist nicht üppige Angebot hermachten. Schließlich sollte die kleine Ernte erstmal reifen und dann nicht in unseren Kinderbäuchen landen sondern möglichst auf den Tischen der Hotelgäste.

Es gab eine Menge zu tun für meinen Vater und seine Leute. Einer von ihnen, Hans, war zuständig für die Versorgung des Viehs. Ja, es gab dort Kühe, Schweine und einige Hühner. Er war klein und ziemlich liebenswürdig. Ein ruhiger und hilfsbereiter Mann, den meine Schwester und ich mochten. Das konnte man so ziemlich von allen Männern sagen, mit denen wir schließlich wie in einer großen Familie tagsüber zusammenlebten. Dieser Mann versorgte also die Tiere und es konnte ihn dabei fast nichts aus der Ruhe bringen. Eine Ausnahme gab's. Wenn er Ratten sah nahm er schnell, sehr schnell, Reißaus. Nun war mein Vater Zeit seines Lebens immer ein Filou, der sich gerne mal den einen oder anderen Schabernack ausdachte. Irgendwann entdeckte er auf dem Rand eines Futtermehlfasses sitzend eine dicke fette Ratte. Oh warte, mein Freundchen, dachte er, dich kriege ich.


Er nahm sich eine Holzlatte und schlug zu. Die Ratte war sofort hin und fiel direkt ins Futtermehlfass. Nun gut, das wäre geschafft. Wohin nun mit dem Kadaver? Er nahm ihn und entsorgte ihn nicht etwa, nein - er begrub ihn unter einer dünnen Schicht Futtermehl. Das wird eine schöne Überraschung....

Und es kam wie es kommen musste, abends kam Hans (im Pech) und wollte den Schweinen die Fresströge füllen. Dazu ging er mit einem kleinen Eimer ans Futtermehlfass und schob mit den Händen das Mehl in seinen Eimer. Ohhh, was war das? Eine Ratte!!! Er ließ, wie von der Tarantel gestochen alles fallen und lief wie um sein Leben. Meine Vater (und ich natürlich...) hatten sich angesichts des bevorstehenden Schauspiels natürlich längst in Position gebracht, um alles auch ja aus der Nähe mitzubekommen. Das war nun gelungen. Allerdings tat uns unsere Schandtat sofort leid, als wir sahen, was wir da angerichtet hatten. Niemals hatten wir erwartet, dass Hans so schnell laufen konnte.

Selbstverständlich folgte die dringend nötige Entschuldigung.

 

Letzte Aktualisierung ( Thursday, 15. November 2007 )
 
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